Die Kirche Jesu Christi als Gemeinschaft erneuerter Menschen findet ihre Gestalt in verschiedenen verfassten Kirchen. Jede hat ihre eigene Geschichte und Prägung. Keine kann für sich beanspruchen, ungebrochen die Kirche Jesu Christi zu repräsentieren.
Die Evangelisch-methodistische Kirche ist als Erweckungsbewegung aus der Anglikanischen Kirche im 18. Jahrhundert hervorgegangen. Diese Erweckungsbewegung war eine Reaktion auf die Entleerung und Verflachung des Glaubens in England in jener Zeit.
Kirchengründer
John Wesley
Die Evangelisch-methodistische Kirche geht zurück auf John Wesley, der als Student und junger anglikanischer Geistlicher in Oxford Freunde um sich versammelte, mit denen er ein vom Glauben bestimmtes verbindliches Leben praktizierte (Bibellesen, Gebet, Fasten und Taten der Wohltätigkeit an Kranken und Gefangenen). Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung "Methodisten", die zunächst ein Spottname war und unterstellte, dass Wesley und seine Freunde nach einer besonderen "Methode" selig werden wollten.
Nach einem gescheiterten Missionsaufenthalt in Amerika erlebte Wesley am 24. Mai 1738 die Erfahrung der Gewissheit seines Heiles allein aus Glauben. Diese Erfahrung machte ihn zusammen mit seinem Bruder Charles und George Whitefield zum Prediger der Frohen Botschaft, besonders unter den Arbeitern und Randsiedlern der Gesellschaft. Die Bewegung breitete sich rasch aus. Wesley, der nie beabsichtigte, die Anglikanische Kirche zu verlassen, wurde schließlich aufgrund zunehmender Widerstände gezwungen, die methodistische Bewegung eigenständig und verbindlich zu organisieren. Hinzu kamen die politischen Fragen des Unabhängigkeitsstrebens Amerikas, wohin sich die Methodisten schnell ausgebreitet hatten. Mit der Konferenz in Baltimore in den USA 1784 fiel die Entscheidung, eine eigene Kirche zu sein.
Das Leben der frühen Methodisten war geprägt durch eine bewusste Glaubensentscheidung, mit der die Erfahrung der Heilsgewissheit einherging, durch ein vom Glauben gestaltetes Leben (Heiligung) durch eine verbindliche Gemeinschaft (vor allem in den "Klassen"), durch eine starke Laienpredigertätigkeit und durch breit angelegte soziale Aktivitäten. über England und Amerika breitete sich der Methodismus schnell aus und kam von dort durch rückkehrende Auswanderer auf den europöischen Kontinent. Der Methodismus begann 1830/1850 in Württemberg, 1849 in Bremen, 1851 in Thüringen/Sachsen und 1856 in Zürich. Die Arbeit entwickelte sich in den ersten Jahrzehnten gegen den Widerstand der Landeskirchen. Ein wichtiges Datum der jüngsten Geschichte ist die weltweite Vereinigung zwischen der Methodistenkirche und der Evangelischen Gemeinschaft, aus der die Evangelisch-methodistische Kirche hervorging (1968).
Die Evangelisch-methodistische Kirche ist eine evangelische Kirche. Das heißt, ihre geistlichen und theologischen Wurzeln liegen im Evangelium, wie es die Reformatoren lutherischer und vor allem calvinistischer Prägung verstanden haben.
Die Evangelisch-methodistische Kirche ist eine Freikirche. Das heißt:
Die Evangelisch methodistische Kirche ist eine international verfasste Kirche. Sie ist grenzüberschreitend organisiert und versteht sich als eine "weltweite" Familie. Dem dienen Gremien auf verschiedenen Ebenen, so die Generalkonferenz, verschiedene Zentralkonferenzen, so der Europäische Rat der Evangelisch-methodistischen Kirche.
Die Evangelisch-methodistischen Kirche ist in Gemeindebezirke aufgeteilt, die von Pastorinnen/Pastoren oder Pfarrerinnen/Pfarrern geleitet werden. Zu einem Gemeindebezirk gehören meist mehrere Gemeinden mit verschiedenen Dienstgruppen (Sonntagschule, Ehepaarkreis, Chöre…) und Gemeindegruppen (Hauskreise, Seelsorgegruppen).
Die Evangelisch methodistische Kirche wird in ihrer Gesamtheit strukturiert durch ein übergreifendes Netz von Konferenzen. Vom Gemeindebezirk beginnend gibt es Bezirkskonferenzen, Jährliche Konferenzen, Zentralkonferenzen und die Generalkonferenz. Von der Ebene der Jährlichen Konferenzen sind diese Gremien paritätisch durch Pastoren und Laien besetzt. Die Jährliche Konferenz ist die grundlegende Körperschaft. Zu ihr gehören alle Pastoren des Konferenzgebiets und mindestens je ein gewähltes Laienmitglied von jedem Gemeindebezirk.
Die Evangelisch methodistische Kirche versucht in ihren Strukturen dem Dienstauftrag gerecht zu werden durch eine geistliche Verbundenheit (Connexio), die alle Ebenen durchzieht, durch eine intensive Zusammenarbeit zwischen Pastoren und Laien sowie durch Dienstzuweisung an die Pastoren.
Aus EmK heute, Heft 72/1991